-bauratgeber.ch - Tipps zum Thema Keramikplatten - 21.05.2018
 Ausbau / Bodenbeläge / Keramikplatten       


BELAEGE FUER BOEDEN UND WAENDE

Multitalente für Fussböden und Wände

Sie sind überall im Haus zu finden: keramische Fliesen und Platten als Bodenbeläge oder Wandbekleidungen vereinen Aestethik und Funktionalität. Sie sind leicht zu reinigen, zu pflegen und zudem extrem strapazierfähig. Reizvoll kombinierbare, leuchtende Farben sind ebenso "in" wie warme Ton-in-Ton-Farbspiele sowie ausgefallenes oder harmonisierendes Dekor, teils mit eingeprägtem Relief. Passende Bordüren runden das heutige Bild der Wohnkeramik ab, die übrigens inklusive der Farben und Glasuren bereits vor rund 4.000 Jahren von den Ägyptern erfunden wurden.
Keramische Fliesen sind farb- und lichtbeständig, umweltfreundlich und pflegeleicht. Sie sind resistent gegen Säuren, Laugen, Chemikalien und aggressives Wasser. Speisen und Getränke, Fett und Nagellack lassen sich problemlos wieder beseitigen, Brandflecken oder Druckstellen entstehen erst gar nicht. In der Gruppe der Fein-Keramischen Werkstoffe (Tongut) werden sie unterschieden nach:
1.  Steingutfliesen (hell bis weiss) oder
2.  Irdengutfliesen (farbig) in der Gruppe Tonzeug sind es
3.  Steinzeug, glasiert oder unglasiert (Fliesen und keramische Platten/Spaltplatten) und letztlich
4.  Porzellan (Geschirr).
Die drei Rohlingsarten (1 bis 3) werden aus Ton, Quarzsand oder Porzellanerde (Kaolin) sowie Versatz-stoffen wie Feldspat, Kalkspat oder Schamotte hergestellt und mindestens einmal gebrannt. Steingut wird bei niedrigen Brenntemperaturen hergestellt, wodurch die grobporige, Wasser aufsaugende Oberfläche entsteht. Da sich diese Fliesenarten durch relativ weiche Scherben und eine nicht allzu strapazierfähige, matte oder glänzende Glasur auszeichnen, ist ihr Einsatz beschränkt auf Wände sowie wenig beanspruchte Bodenbereiche.

Bei grösseren Beanspruchungen sollte glasiertes Steinzeug verwendet werden, da sich die geschlossene Oberfläche des glasierten Materials ge­gen Fleckenbildner, wie beispielsweise Rotwein, Öl, Kaffee und Tee als unempfindlich er­weist. Unglasiertes Steinzeug (zum Teil geschliffen) ist zwar im Gegensatz zu seinem „gla­sierten Bruder“ empfindlich gegen Flecken, ist jedoch am widerstandsfähigsten, ist frostsicher und weist eine raue Oberfläche auf, die für gute Trittsicherheit sorgt.

Von „Fliesen“ spricht man, wenn beim Formen die feuchte Masse in liegende Formen gestri­chen oder gegossen wird. Dagegen spricht man von „Platten“ (Spaltplatten), wenn die Masse durch eine Strangpresse getrieben wird. Ebenso werden Naturstein-„Fliesen“ und Kunststeine benannt.

 

  • Härtegrade
    Der Mineraloge Friedrich Mohs entwickelte Anfang des 19. Jahrhunderts eine zehnteilige Härteskala, nach der auch heute noch die Ritzhärte von keramischen Fliesen und Platten bestimmt wird. In dieser Skala hat Quarz, der normale Strassensand, den Härtegrad 7, und damit einen höheren als Fliesen. Beispielsweise hat Topas den Härtegrad 8, Korund 9 und Diamant den Härtegrad 10. Fliesen und keramische Platten werden in die Härtegrade drei (Wandfliesen) bis sechs (unglasierte Steinzeugfliesen) eingestuft. Eine der praktischen Konsequenzen aus dieser Härtezuordnung ist beispielsweise, dass der Strassenstaub unter unseren Füssen (Härtegrad 7) die glasierten oder unglasierten keramischen Platten oder Fliesen (Härtegrad 5/6) zerkratzen kann.
    Zusätzlich wird von Herstellern die Einstufung der glasierten Fliesen und Platten in „Verschleissgruppen“, auch Abriebgruppen genannt, von I bis IV (V) eingeteilt.
     

    Verschleissgruppen von glasierten keramischen Fliesen oder Spaltplatten

    Verschleissgruppe I 
    (keramische Bodenbeläge für leichte Beanspruchungen) Kratzende Beanspruchung ist zu vermeiden; Fliesen dieser Gruppe sollten nur mit weichbesohltem Schuhwerk begangen werden.
    Einsatz: Sanitärbereiche wie Bad, Dusche, WC, Fitnessraum, Sauna, innen liegender Pool.
    Verschleissgruppe II
    (keramische Bodenbeläge für mittlere Beanspruchungen) Geringe kratzende Beanspruchung ist möglich; die Fliesen können mit normalem, abgeputztem Schuhwerk begangen werden.
    Einsatz: allgemeiner Wohnbereich wie Wohn-, Schlaf- und Esszimmer sowie Gästezimmer und Gäste-WC.
    Verschleissgruppe III
    (keramische Bodenbeläge für mittelstarke Beanspruchungen) Leichte kratzende Beanspruchung bei geringer Frequenz ist möglich; Fliesen oder keramische Platten können mit normalem, wenig verschmutztem Schuhwerk begangen werden.
    Einsatz: Treppen, Stufen, Küche, Hausarbeitsraum, Vorratsraum, Eingangsbereich (Flur/Diele), Balkone, Loggien, Terrassen (ohne Zugang zum Garten), Heizungsraum, Hobby- und Partyraum sowie aussen liegender Pool.
    Verschleissgruppe IV
    (keramische Bodenbeläge für stärkste Beanspruchungen) Starke kratzende Beanspruchung bei hoher Frequenz ist möglich; diese keramischen Bodenbeläge können mit normalem, stark verschmutztem Schuhwerk begangen werden.
    Einsatz: Terrasse (mit Gartenzugang), Windfang, Vorplatz, Eingangbereich (Flur/Diele), Balkone, Loggien.
     
    Ausserdem ist eine Verschleissgruppe V, allerdings nur für den kommerziellen Bereich, der genannten Bodenbeläge vorgesehen.
    Generell sei angemerkt, der Einsatz der genannten Bodenbeläge ist möglich. Es muss aber darauf hingewiesen werden, dass es Bereiche gibt, wo besser unglasierte keramische Bodenplatten eingesetzt werden sollten.

 

 
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