-bauratgeber.ch - Tipps zum Thema Der Kachelofen - 24.02.2018
 Haustechnik / Cheminée & Öfen / Der Kachelofen       


STRAHLEMANN PAR EXELLENCE

Jahrhunderte alte Tradition gepaart mit neuster Technik - das ist der heutige Kachelofen. Ein "Strahlemann" par excellence, dem magische Kräfte nachgesagt werden. Sein grösster Verdienst: wohlige Wärme zu spenden, die der Gesundheit gut tut.


Wodurch können wir unser heutiges, oftmals übersättigtes Leben noch ein wenig verschönern?
 
Diese Frage wird wohl von jedem Leser spontan völlig unterschiedlich beantwortet werden. Eines ist jedoch für uns alle mittlerweile sehr knapp und daher besonders kostbar geworden: die Zeit. Es stellt sich also die Frage, wie kann ich meine freie Zeit am effektivsten nutzen; wie kann ich innerhalb kurzer Zeit wieder die Kraft schöpfen, die ich zur Bewältigung der Alltagspflichten benötige? Der Kachelofen wird diese Aufgabe zwar sicherlich nicht zu jeder Zeit und in allen Lebenslagen erfüllen können, aber eines ist gewiss: Er strahlt Ruhe und Gemütlichkeit aus, die ganz automatisch zur angenehmen Entspannung bei all denjenigen führt, die sich in seinem Wirkungskreis aufhalten. Hektik und Kachelofen - das passt einfach nicht zusammen. Allein der Anblick eines Kachelofens reicht oft schon aus, den Betrachter sanftmütig zu stimmen und eine beruhigende Wirkung auf ihn auszuüben. In wohltuender Wärme relaxen und neue Energie auftanken für den beruflichen Alltag - dazu lädt der Kachelofen ein. Laut einer Umfrage fühlen sich die Kachelofenbesitzer in ihrem privaten Bereich - auch in Bezug auf ihre Gesundheit - überdurchschnittlich wohl.


Kein Verzicht auf Flammensicht

Der Kachelofen hat sich im Laufe seiner langen Entwicklung immer wieder verändert und den aktuellen Trends und Stilrichtungen angepasst. Auf das inzwischen äusserst beliebte Feuererlebnis, wie man es beispielsweise vom Kamin oder Kaminofen her kennt, muss heutzutage auch beim Kachelofen nicht mehr verzichtet werden. Auf Wunsch sorgt eine Ofentür aus feuerfester Glaskeramik für den kleineren oder grösseren Einblick ins brennende Herz der Feuerstätte. Neben der beruhigenden milden Wärme, die der Kachelofen verbreitet, trägt der Blick in das faszinierende Flammenspiel sicherlich noch zusätzlich dazu bei, die Alltagsproblemchen schnell zu vergessen und Musse zur Entspannung zu finden.
Wer die gesunde Strahlungswärme gerne hautnah spüren möchte, sollte vielleicht darauf achten, dass sein Kachelofen mit einigen glatten Kachelflächen und eventuell einer Sitzbank konstruiert wird, damit die Möglichkeit des unmittelbaren Kontakts gegeben ist. Taucht man etwas tiefer in die Planung einer solchen Feuerstätte ein, wird man bald feststellen, dass diese aufgrund der unzähligen Gestaltungsmöglichkeiten gar nicht so einfach ist.  Die exakte Planung sollte man vielleicht besser dem Fachmann überlassen beziehungsweise diesen rechtzeitig einschalten, um mit ihm gemeinsam ein Konzept zu entwerfen. Nicht zuletzt dank des Internets ist es heutzutage recht einfach geworden, sich im Vorfeld über die Technik sowie die unzähligen Design-Varianten umfassend zu informieren. Wenn man dann schliesslich eine ungefähre Vorstellung davon hat, wie der künftige "Hingucker" aussehen und über welche Funktionen er verfügen soll, dann stehen sowohl die Beratung mit dem Kaminfeger - ohne seine Genehmigung zur Inbetriebnahme läuft nämlich gar nichts - sowie mit dem Ofenbau-Fachmann an. Zahlreiche Punkte bedürfen der Beratung und Klärung. Das äussere Erscheinungsbild soll sich schliesslich dem individuellen Einrichtungsstil anpassen und über Jahrzehnte gefallen. Doch nicht nur das Outfit ist wichtig. Wie sieht es mit der Heiztechnik aus? Wird eher Wert auf die schnelle Wärme gelegt oder hat die gesunde Strahlungswärme Priorität?
Beim Kachelofen unterscheiden wir zunächst zwischen den beiden Grundtypen: Grund-Kachelofen und Warmluft-Kachelofen. Davon abgeleitete Varianten sind der Kombiofen und der Hypokausten-Ofen.

Grund-Kachelofen
Der Grund-Kachelofen gehört zu den ältesten Heizarten und wird an Ort und Stelle - freistehend oder auch mit Wanddurchbruch zur Beheizung mehrerer Räume - handwerklich gesetzt. Er besteht aus einem mit Schamotte-Steinen gefertigten Feuerraum und aus sich daran anschliessenden gemauerten Zügen. Diese direkt am Kachelmantel anliegenden Züge oder auch Kanäle genannt, werden ebenfalls aus Schamotte-Steinen hochgezogen, so dass die für den Grundofen typische, enorme Speichermasse entsteht. Man trifft daher auch häufig auf die Bezeichnung Speicherofen. Die angenehme Wärme wird erst nach ein bis zwei Stunden spürbar, aber dann hält sie - in wohl dosierter Weise - meist für den ganzen Tag an. Am effektivsten ist der Grund-Kachelofen daher, wenn er durchgeheizt wird. Der sparsame Brennstoffverbrauch ist neben der langanhaltenden Wärme ein weiteres Plus. Die im Feuerraum produzierten Heizgase werden mit Hilfe der keramischen Züge durch den gesamten Ofenkörper geleitet, bis sie ihre Hitze an die speicherintensiven Schamottesteine abgegeben haben. Dieser Prozess des Wärmespeicherns benötigt natürlich seine Zeit, aber das Ausmass der Entlohnung übersteigt den Nachteil der Wartezeit um ein Vielfaches. Über die Ofenkacheln wird die Wärme als reine Strahlungswärme kontinuierlich an die Umgebung abgegeben. Über die positiven Eigenschaften der gesunden Strahlungswärme, die uns an die wohltuenden Strahlen der Sonne erinnert, haben wir bereits mehrfach geschrieben. Es muss übrigens nicht grundsätzlich die Ofenkachel sein, die als Überträger dieser angenehmen Wärme dient - auch Speckstein eignet sich hierfür hervorragend. Ein Grundofen aus Speckstein ist somit natürlich ebenfalls eine überlegenswerte Alternative.

Warmluftkachelofen
Anders sieht es beim Warmluft-Kachelofen aus. Wie die Bezeichnung schon andeutet, gibt diese Art von Kachelofen nicht nur reine Strahlungswärme, sondern auch Warmluft von sich. Die Verbreitung von warmer Luft birgt natülich den oft nicht unwesentlichen Vorteil des schnellen Aufheizens in sich. Als Motor des Warmluft-Kachelofens wird häufig der gusseiserne Heizeinsatz bezeichnet, der je nach Bauart mit Holz und Briketts oder auch mit Öl oder Gas befeuert werden kann. Dem wegen der Warmluftabgabe frei im Ofenraum stehenden Heizeinsatz wird ein Nachheizkasten aus Stahl oder Guss nachgeschaltet. Das Heizprinzip ist wie folgt: Von unten wird kühle Raumluft angesaugt (Heizeinsätze mit Aussenluftanschluss sind übrigens ebenfalls erhältlich), diese strömt durch das Ofeninnere, erwärmt sich an den heizflächen des Einsatzes und tritt durch Warmluftgitter und/oder speziellen Lüftungskacheln wieder aus. Als besonderer Vorteil gilt, dass mit Hilfe von Luftkanälen auch die Beheizung mehrerer Räume / Etagen relativ einfach möglich ist. Die schnell erzeugte Warmluft wird durch die Abgabe der Strahlungswärme über den aufgeheizten Kachelmantel vorteilhaft ergänzt. Die heutigen Heizeinsätze sind technisch auf einem sehr hohen Entwicklungsstand und sorgen für ein umweltgerechtes und energiesparendes Heizen. Sie sind schadstoffarm und unterbieten häufig die in den jeweiligen Regionen festgelegten Normen. Ein hoher Bedienungskomfort darf heutzutage ebenfalls nicht fehlen. Mit einer auf Wunsch erhältlichen Elektronik lässt sich der Abbrand automatisch regeln. Die Luftzufuhr wird elektronisch gesteuert und sorgt für eine optimale Verbrennung. "Störend" ist allenfalls das akustische Signal, wenn es Sie vielleicht mitten aus Ihren Träumen reisst, um Sie daran zu erinnern, dass der "Gute" für seine Arbeit auch ab und an neue Energie - in Form von Holzscheiten oder Brikett - benötigt. Der alt bekannte traditionelle Kachelofen hat sich zum Hightech-Ofen gemausert. Beim so genannten Kombi-Ofen wird auf ein relativ ausgewogenes Verhältnis zwischen schneller Konvektionswärme und langanhaltender Strahlungswärme Wert gelegt. Wie der Warmluftofen besteht er ebenfalls aus einem gusseisernen Heizeinsatz, der einerseits mit seinen Metallflächen für die schnelle Erwärmung der Luft sorgt und andererseits Heizgase produziert, die wie beim Grundofen durch Schamotte-Züge geleitet werden, um dort ihre Wärme zur Speicherung abzugeben. Das Innenleben eines Hypokausten-Ofen sieht auf den ersten Blick ähnlich aus. Der wesentliche Unterschied zu den beiden letztgenannten Öfen ist, dass es sich hier um ein geschlossenes Luftsystem handelt. Die Warmluft wird nicht in den Raum freigegeben, sondern zirkuliert aufgrund der natürlichen Thermik innerhalb der Ofenanlage. Durch Kanäle wird die erhitzte Luft - falls erforderlich auch unter Zuhilfenahme kleiner Ventilatoren - an entferntere Plätze weitertransportiert und beheizt dort auf diese Weise zum Beispiel eine dekorative Sitzbank oder eine Kachelwand, an der man die angenehme Strahlungswärme hautnah geniessen kann.


Vollzeit oder Teilzeit

Der Kachelofen lässt sich sowohl als vollwertige Heizung einsetzen als auch nur zu ganz bestimmten Zeiten, wenn gerade Bedarf an Zusatzwärme besteht. Eine intelligente Kombination von Kachelofen mit Heizkesselteil für den Winter und die Übergangszeit sowie den Einsatz einer Solaranlage zur Sommerzeit kann für ein Vollwert-Heizsystem sorgen. Mit Hilfe eines Pufferspeichers wird die Wärme gespeichert und nach Bedarf an die Heizung oder an die Warmwasserversorgung abgegeben. Eine ausführliche Beschreibung dieser Ganzhausheizung würde an dieser Stelle sicherlich zu weit führen. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Kachelofen-Spezialisten - er wird Ihnen gerne die für Sie in Frage kommenden Möglichkeiten darlegen.
Den grössten Anteil an der Ausstrahlung eines Kachelofens - im doppeltem Sinne - haben zweifelsohne seine Kacheln. Die aus einer Mischung von Ton, Schamotte und weiteren Naturmaterialien bestehende Ofenkachel wird mit einem hohen handwerklichen Aufwand in mehreren Arbeitsgängen angefertigt. Der abschliessende Brand erfolgt bei Temperaturen von über 1.000°C. Angesichts der unglaublichen Fülle an unterschiedlichen Formen und Farben, in denen die Ofenkacheln angeboten werden, ist unsere Fantasie und Vorstellungskraft gefordert, um den Kachelofen mit der ganz persönlichen Note zu kreieren. Aber hierfür stehen ja glücklicherweise ausreichend technische sowie menschliche Planungshilfen in Form von CAD-Zeichnungen, Beratungen durch den Kachelofenfachmann sowie nicht zuletzt durch den Kaminfeger zur Verfügung.

 

 
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