-bauratgeber.ch - Tipps zum Thema Wasseraufbereitung - 20.02.2018
 Haustechnik / Sanitärinstallationen / Wasseraufbereitung       


SINNVOLL ODER NICHT ?

Trinkwasseraufbereitung in Privathaushalten ist seit langem ein viel und kontrovers diskutiertes Thema. Viele Firmen bieten entsprechende Geräte an, die die Qualität des Trinkwassers auf die eine oder andere Weise verbessern sollen. Doch in welchen Fällen ist der Einsatz solcher Aufbereitungsanlagen sinnvoll und überhaupt nötig? In erster Linie filtern Trinkwasseraufberereitungsanlagen Kalk aus dem Wasser. Die Hersteller der Anlagen versprechen, dass dadurch das Wasser "weicher" wird und so die Verkalkung von Elektrogeräten und Rohren verhindert werden kann.

Wie kommt der Kalk ins Trinkwasser?

Wie gelangt der Kalk überhaupt ins Trinkwasser? In der Atmosphäre reichert sich das anfallende Regenwasser mit Kohlensäure an. Wenn der Regen die Erde erreicht, löst die Kohlensäure den im Boden befindlichen Kalk. Der gelöste Kalk wird dann durch das Wasser weitertransportiert und gelangt ins Wasserwerk. Von dort aus wird es in die Haushalte gepumpt. Heutzutage wird das Wasser aus wirtschaftlichen Gründen üblicherweise von den Wasserwerken entweder "enthärtet" oder mit weicherem, weniger kalkhaltigem Wasser verschnitten - alleine schon, um Kalkablagerungen in den Rohrnetzen der öffentlichen Versorger vorzubeugen. Da die Wasserwerke nur im Gleichgewicht befindliches Wasser von stets gleich bleibender Qualität liefern, kommt es heute normalerweise nicht mehr zu Kalkablagerungen. Zu einem Problem wird der Kalk erst dann, wenn das Trinkwasser erwärmt wird. Dabei verändert sich das Kalk-Kohlensäure-Gleichgewicht. Als Folge flockt der Kalk aus dem Wasser aus und lagert sich an den Rohren und in den Haushaltsgeräten ab.

Härtebereiche und Härtegrade
Nach dem Waschmittelgesetz (das gibt es wirklich!) wird unser Trinkwasser in vier Härtebereiche unterteilt. Diese wiederum werden in "°d" aufgeschlüsselt, darunter sind Härtegrade zu verstehen, eine Skala, mit der die Wasserwerke übrigens "nur noch am Rande" arbeiten. Der Härtebereich 1 reicht von 0 - 7 °d, das Wasser hat nur einen geringen Kalkanteil, es wird daher als "weiches Wasser" bezeichnet. Zum Härtebereich 2 (7 bis 14 °d), zählt das mittelharte Wasser. Hartes Wasser mit dem Härtebereich 3 (14 bis 21 °d) beschreibt sehr hartes Wasser.
Mit welcher Wasserqualität Sie beliefert werden, können Sie leicht selbst herausfinden: Ist Ihre Kaffeemaschine dauernd verkalkt oder bilden sich nach dem Duschen oder Baden hässliche Kalkflecken an der Wand, werden Sie aller Wahrscheinlichkeit nach mit Wasser des Härtebereichs 3 oder (nur noch ganz selten) 4 beliefert. Genaue Auskunft erhalten Sie durch einen Anruf bei Ihrem Wasserwerk.

Welche Bedeutung hat die Wasserhärte?
Kalk oder Rost in der Wasserleitung sind zwei Seiten derselben Medaille. Eines von beidem ist fast immer der Fall. Während hartes Wasser zu Kalkablagerungen bis hin zum Rohrver-
schluss führt, wirkt weiches Wasser oft stark korrosiv (rost-bildend) und verursacht Lochfrass. Dann droht der Rohrbruch – mit gewaltigen Schäden an Gebäude und Einrichtung. Wie kommt es zum Rohrbruch? Lochfraß durch Korrosion verläuft über Jahre ganz unbemerkt. Die Rohre werden mehr und mehr geschwächt, bis an einzelnen Stellen die Rohrwand bricht. Jeder zweite Leitungswasserschaden entsteht auf diese Weise.

Wie gefährlich ist Kalkstein?
Bei unbehandeltem hartem Wasser setzt sich Kalk in den Rohrleitungen ab, die so Schicht für Schicht zuwachsen können. Immer weniger Wasser fließt dann durch immer engere Leitungen. Kommt es gar zum Rohrverschluss, müssen viele Meter Leitungen für teures Geld ausgetauscht werden. Von schädlicher Kalksteinbildung sind auch Hausgeräte betroffen, besonders wenn in ihnen Wasser erhitzt wird. So kann sich die Lebensdauer von Boilern oder Waschmaschinen durch hartes Wasser erheblich verkürzen, ihr Energieverbrauch dagegen deutlich erhöhen. Schon 5 mm starke Kalkablagerungen auf Heizstäben verursachen einen Energieverlust in Höhe von ca. 30 %.
 

Was tun bei hartem Wasser?

Härteres Wasser hat also durchaus Nachteile: Sie müssen Nassbereiche und Haushaltsgeräte häufiger mit säurehaltigen Mitteln reinigen. Bei Kalkflecken an Wänden und Armaturen ist Zitronensäure ein einfaches und zuverlässiges Mittel. Kaffeemaschinen oder Wasserkocher lassen sich mit Essig problemlos entkalken. Ansonsten gibt es auf dem Markt eine Reihe wirkungsvoller Mittel, die bei Bedarf angewendet werden können. Bei Wasch- und Spülmaschinen löst sich das Problem praktisch "von selbst", da in fast allen Reinigungsmitteln Entkalker enthalten sind. Daher ist es bei diesen Maschinen so wichtig, das Reinigungsmittel korrekt zu dosieren. Bei sehr hartem Wasser hat das Verfahren aber einen Nachteil: Das Waschmittel muss sehr hoch dosiert werden - das geht ins Geld und belastet das Abwasser. Härteres Trinkwasser hat aber nicht nur Nachteile: Es ist wesentlich bekömmlicher als weiches Wasser.

Chemische Aufbereitungsverfahren
Die Wasserwerke empfehlen eine Wasseraufbereitung - wenn überhaupt - ab Härtebereich 4. Gebräuchlich ist die chemische Wasseraufbereitung mittels grosser "Salztabletten", aus chemischer Sicht geht es um den Entzug der härtebildenden Ionen Calcium und Magnesium aus dem Wasser. Das geht aber nur über die Zugabe anderer Ionen, meist sind das Natriumionen. Die Härte ist also raus, aber das Wasser ist nunmehr angereichert mit Natriumchlorid = Kochsalz. Das ist buchstäblich nicht nach jedermanns Geschmack und für die gute Tasse Tee sicherlich nicht ideal. Bei bestimmten Krankheitsbildern freut sich der Arzt aber auch nicht, wenn den Patienten über das Trinkwasser erhöhte Mengen an Kochsalz zugeführt werden. Der Käufer einer solchen Wasserenthärtungsanlage muss also wählen zwischen weichem Wasser und Salzbelastung oder hartem Wasser und Kalk. Ein anderes chemisches Verfahren ist die Phosphatdosierung. Dem Trinkwasser wird einfach als "Weichmacher" Phosphat zugegeben, so entsteht beispielsweise Korrosionsgefahr und die Entstehung gesundheitsbedenklicher Nitrite.
Wasseraufbereitungsanlagen machen daher im Normalfall nur bei grosstechnischen Anlagen in Krankenhäusern und in Wäschereien Sinn. Sollten Sie sich doch für eine Wasseraufbereitungsanlage in Ihrem Haushalt entscheiden, so achten Sie darauf, dass das Gerät ein Prüfzeichen  trägt. Auf jeden Fall sollten Sie nach der Installation einer Aufbereitungsanlage einen regelmässigen Wartungsservice mit der Installationsfirma vereinbaren, um das Funktionieren der Anlage zu gewährleisten.

Einige Probleme lassen sich eigenhändig lösen
Unser Trinkwasser ist bakterienfrei, mehrmals wöchentlich wird es von den Wasserwerken dahingehend überprüft. Da sich Bakterien im Wohlfühlklima zwischen 20 und 40 Grad gut entwickeln, reicht es aus, wenn das "Warm"wasser im Warmwasserbehälter der Heizung nicht wesentlich über 50° erhitzt wird. Wer duscht schon bei 50° - niemand! Die Meinung jedenfalls, das Wasser müsse ständig auf über 60° gehalten werden, um die Bakterien "abzukochen", ist irrig. Denn genau ab 60° beginnt der in jedem Wasser (also auch im "weichen" Wasser enthaltene) Kalk auszuflockern. Die Wasserwirtschaftler nennen das "der Kalk fällt aus". Man kann also schon eigenhändig etwas dagegen tun, dass Rohre und Kessel nicht verkalken - nämlich die Temperatur herunterfahren.
In bestimmten Fällen - beispielsweise wenn ein komplettes Mehrfamilienhaus durch eine zentrale Anlage mit warmem Wasser versorgt wird - sollten Sie wegen der Legionellen-Problematik doch eine höhere Wassertemperatur vorwählen.

 

 
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