-bauratgeber.ch - Tipps zum Thema Innenausbau mit System - 24.02.2018
 Ausbau / Inneneinrichtung / Innenausbau mit System       


Weniger Schall und Rauch beim Arbeiten

In der Ruhe liegt die Kraft
Das digitale Zeitalter und die seit Jahren umgesetzte Effizienzsteigerung fordern ihren Preis. Die erweiterte Bildschirmtätigkeit, die Informationsflut und permanente Präzisionsleistungen gehören zum beruflichen Alltag wie gestern der Heuwagen zum Bauernhof. Verschiedene Massnahmen helfen, die Konzentrationsfähigkeit und die Gesundheit der Mitarbeiterteams sicherzustellen. Unterschätzt werden dabei aber meistens die Schallemissionen am Arbeitsplatz. Bereits lautes Sprechen in ein Meter Entfernung wird mit sage und schreibe 60 Dezibel (dB) gemessen.

Aus gutem Grund empfiehlt die deutsche VDI-Richtlinie 2569 Schallpegelwerte von 50-55 dB in Grossraumbüros, in Einzel- und  Kleinraumbüros sogar nur 35-40 dB. In Werkstätten, Labors und wo mechanische Apparate zum Einsatz gelangen, werden diese Werte deutlich überboten. Eine dauerhaft wirksame Lösung bieten der professionelle Einsatz von schallschluckenden Deckenelementen, Systemtrennwänden für die Raumunterteilung im Gastgewerbe oder Einkaukabinen in Gewerbe oder Industrie. Wo aber liegen die Grenzwerte, und wie wirken überhöhte Schallwerte?

Schlagen Sie Alarm
Da wird viel von Ergonomie gesprochen, von Motivationstraining und, und, und. All das nützt in der Praxis aber nur begrenzt, wenn fähige und kreative Köpfe in Grossraumbüros Opfer werden einer schwatzhaften Umgebung oder von MitarbeiterInnen mit "chronischer Telefonitis" umgeben sind. Wo kaum klare Gedanken gefasst werden können, ist es wichtig, Alarm zu schlagen. In vielen Fällen helfen bereits Stellwände bei Gruppenarbeitsplätzen oder Systemtrennwände problematische Zustände zu entschärfen. Letztere können bei Bedarf mithelfen, den Brandschutz zu erhöhen. Sie eignen sich auch bestens für die Einrichtung von abgetrennten Raucherzonen, so genannter Fumoirs in Grossbetrieben, Hotels oder Restaurants. Also überall dort, wo der Schutz der Nichtraucher gewährleistet werden soll oder muss.

Schallquellen: Was stört und wieviel?
Emissionsquellen gibt es unzählige, und sie sind abhängig von der Betriebsart und Mitarbeiterfunktion in der Firma. Weit verbreitet ist die irrige Meinung, nur Presslufthammer, Fräse und Düsenflugzeuge erzeugten gesundheitsschädigende Schallwerte. Ohne auf Berechnung der Dezibelwerte im Detail einzugehen, ist die Lautstärke (Dezibelwert, dB) eine Grösse, während die Dauer der Gehörbelastung und die Regenerationszeit weitere wichtige Kriterien sind.

Aufhorchen bei geringen Lärmemissionen
Anders als bei der zugeschlagenen Autotür lauern heute im Labor, Grossraumbüro oder Kleingewerbe die scheinbar unschädlichen, geringen Lärmquellen. Dass auch tiefe Werte auf Dauer lästig sein können, merken wir beispielsweise an Lüftungsgeräuschen, summenden Computern, Fotokopiergeräten, Laserdruckern oder Kühlschränken. Denken wir an Lärm, denken wir normalerweise an Direktschall. Dabei vergessen wir die Reflexion der Schallwellen an Wänden, Decke und sich im Raum befindlichen Gegenständen. Die Wellen werden umgelenkt, reflektiert und kehren in abgeschwächter Form zurück. Die Zusammenwirkung nehmen wir unbewusst als Diffusionsschall wahr. Je nach Raumform und Ausstattung ist der Nachhall mehr oder weniger ausgeprägt. Dazu kommen Schallemissionen, die vom Gebäude übertragen werden: Bus- und Tramverkehr, Liftgeräusche, Werkstätten oder Bauarbeiten im nächstliegenden Stockwerk.

Die folgende Tabelle zeigt Grenwertbeispiele unter Berücksichtigung der Emissionsdauer. Geringe Belastungen sind kurzzeitig zwar problemlos, auf Dauer aber keineswegs. Darum sind beispielsweise Akustiklösungen in Grossraumbüros zunehmend gefragt. Der Zeitfaktor ist auch der Grund, warum heute an Rockkonzerten gratis Oropax abgegeben werden.

Max. wöchentliche Einwirkzeit
ohne Schaden zu nehmen

             85 dB: 40 Stunden
             90 dB: 12 Stunden
             95 dB:   3 Stunden
           100 dB:   1 Stunde
           110 dB: 18 Minuten
           115 dB:   2 Minuten
           130 dB: 45 Sekunden

Weil selbst geringe Belastungen auf Dauer zum Problem werden, können gesundheitliche Folgen gravierend sein:

        - Tinnitus, Ohrensausen oder Dauerpfeifen
        - Gehörregeneration in Ruhephasen nimmt ab
        - Tiefschlafphase wird negativ beeinflusst
        - Geringere Arbeitsleistung und Konzentration, die Fehlerquote nimmt zu
        - Anstieg des Blutdrucks und gleichzeitig geringere Durchblutung 
        - Erhöhter Energieverbrauch
        - Elektrischer Hautwiderstand und Darmbewegungen verringern sich

Weil eine Hörschädigung normalerweise unbemerkt abläuft und meistens auf Dauer irreversibel bleibt, sind Akustiklösungen besonders ernst zu nehmen.

Akustiklösungen auch ein Erfolgsfaktor
Die vitale Bedeutung von konzentrationsfähigen und aufmerksamen Mitarbeitern ist in allen Branchen ein wirtschaftlicher Faktor. Bei unangenehmer Raumakustik binden die Mitarbeitenden schlicht zuviel Energie auf die Filterung von Informationen und können sich weniger gut entspannen. Erhöhte Burnout-Gefahr, mangelnde Tatkraft, krankheitsbedingte Ausfälle oder fortwährende Korrektur von Fehlleistungen will sich niemand leisten. Weniger Schall und Rauch im sprichwörtlichen Sinn, nämlich grosse Ziele zu setzen, aber viel Fehlleistungen im beruflichen Alltag. Akustiklösungen gehören nicht nur zum guten Ton und sind "nice to have". Vielmehr sind sie eine lohnende Chance, die produktive Leistung der Mitarbeitenden zu fördern. Werden Leistungen und das Wohlbefinden der Mitarbeiter gefördert, tut das auch dem Unternehmen gut und der "Return on Investment" ist garantiert.

Fachautor: Rolf Ritter, Geschäftsleiter
                 KR Wand- und Deckenelemente GmbH,
                 5630 Muri AG, http://www.kr-schweiz.ch/


 

 

 
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